29. Oktober 2013
von Juergen Holtkamp
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Katholischer Medienpreis verliehen

Einmal jährlich versammeln sich die Medienschaffenden der katholischen Kirche in Bonn um den katholischen Medienpreis. Herausragende journalistische Beiträge werden dort prämiert. Im Laufe des Jahres sichtet die Jury viele unterschiedliche Beiträge, wobei die journalistische Qualität der Preisträger seit Jahren sehr hoch ist. Der Vorsitzende der publizistischen Kommission Bischof Gebhart Fürst betonte denn auch in seiner Ansprache, wie schwer es fällt aus den vielen „hervorragenden Beiträgen“ einen auszuwählen.

Erfrischend war die Moderation von Gisela Steinhauer, die sicher nicht zur Freude aller Anwesenden die aktuelle Debatte um Bischof Tebartz van Elst aufnahm und in Anlehnung an das Bistum Limburg eine eigene Wortkreation „den Schlimburger“ zum Besten gab. Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle nutzte seine Rolle als Laudator zu einer deutlichen Kritik an Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller. Dieser hatte den Skandal um Bischof Tebartz als „Erfindung der Medien“ abgetan.

Eine Preisverleihung beinhaltet etwas fröhliches und festliches. Die Dramaturgie des Abends war darauf ausgelegt und wurde durch die Musik nachhaltig gestützt.

Die prämierten Journalistinnen passten da mit Ihren Themen nur bedingt ins Bild. Für Ihren Beitrag „Carte Blanche„, ausgestrahlt beim Fernsehsender ARTE erhielt Heidi Specogna den Preis in der Kategorie elektronische Medien. Sie zeigt die furchtbaren Auswirkungen der Gewalt an Frauen und Kindern in der Zentralafrikanischen Republik in den Jahren 2002 und 2003.

In der Kategorie Print erhielt Lara Katharina Fritzsche für Ihre im Zeitmagazin erschiene Geschichte „Das Leben nach dem Tod in Utoya“ den Preis.

Bei der Laudatio für beide Beiträge konnte man die „Nachdenklichkeit“ bei den Anwesenden spüren.

Dass den Medienverantwortlichen in der katholischen Kirche der Skandal um den Limburger Bischof mittlerweile bitter aufstößt, mag nachvollziehbar sein. Allerdings sollte bei einer Veranstaltung wie dem katholischen Medienpreis dies auch seinen angemessenen Platz finden. Dass es ausgerechnet Vertreter der säkularen Presse waren, die das Thema auf die Tagesordnung setzten, zeigt einmal mehr, dass die katholische Medienarbeit hier noch Nachholbedarf hat.

17. Oktober 2013
von Juergen Holtkamp
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Das Medienfiasko eines Bischofs und was man daraus lernen könnte…

Nein, es soll hier und heute nicht auf die Verfehlungen von Bischof Tebartz van Elst eingegangen werden. Darüber ist schon so viel geschrieben und diskutiert worden. Ob Süddeutsche Zeitung, FAZ oder Spiegel, Welt und Co. Sie alle haben reichlich recherchiert und kommentiert.

Schauen wir uns hier doch einmal das mediale Desaster und die ungenügende interne Kommunikation an. Auf einen wichtigen Punkt weist Jakob Augstein bei Spiegel Online hin. Demnach ist der Bischof nicht über seinen Fehler gestürzt, sondern über den Umgang mit diesen. Viel Wahres steckt in diesem Satz. Wie kommt es also, dass ein so kluger Bischof, sich so in Lügen verstrickt und nicht erkennt, dass es besser wäre, die Wahrheit zu sagen, bzw. den Zeitpunkt findet, um Verzeihung zu bitten. Hier befindet sich Bischoft Tebartz übrigens in trauter Runde. Bis zuletzt hat Christian Wulff geschwiegen, auch der ehemalige Radprofi Lance Armstrong hat nur das zugegeben, was man sowieso schon wusste und sich bis heute nicht für sein Fehlverhalten entschuldigt. Armstrong hat in seiner Zeit als Radprofi systematisch gedopt. Ihm wurden alle Titel aberkannt und das völlig zurecht.

Steht das Lügengebäude erst einmal, ist die Dynamik kaum aufzuhalten. Und obwohl es Berater gibt, Kommunikationsdirektoren und Pressesprecher, die es doch eigentlich besser wissen sollten, sie kommen bleiben im System verhaftet oder werden mit ihren Hinweisen nicht gehört. Im Fall des Bischofs von Limburg spielt dessen Pressesprecher eine vorsichtig formuliert „unglückliche“ Rolle. In der Tagesschau ein Statement abzugeben, dass der Bischof kein Interview geben könne, weil „er das Bistum regieren müsse“ zeigt wenig Feingefühl für mediale Realitäten.

Es hätte – so sind sich die meisten Kommentatoren einig – nicht so kommen müssen, hätte der Bischof eher reagiert. Womöglich zeigt sich daran, wie welt- und medienfremd der Bischof im Herzen ist. Und anscheinend gab es auch keinen „Medienberater“, der ihn frühzeitig darauf hinweisen konnte. Auch hier zeigt sich ein sehr menschliches Verhalten. VIP´s möchten zwar in der Öffentlichkeit stehen, interne Kritik an ihrem Auftreten oder Verhalten hören sie nicht so gerne. Das ist zwar sehr menschlich, aber im Fall des Limburger Bischofts endete es in einem Fiasko.

Was lenen wir daraus? Es sind drei Dinge:

Erstens: Bischöfe sind gut beraten, Ihre Medienfachleute zu informierern und Ihnen Vertrauen zu schenken

Zweitens: Nicht auf jene immer hören, die einem nach dem „Munde“ reden

Drittens: Die Mediengegebenheiten ernst nehmen, der Boulevard lässt VIPs genauso schnell fallen, wie er sie hochjubelt. Mit Medien umgeben, will also gelernt sein!

10. September 2013
von Juergen Holtkamp
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Entdeckt die Kirche die Medien neu?

Katholisches Medienhandbuch

Mit dem Katholischen Medienhandbuch gibt es nun ein „Standardwerk“, das über die vielfältige Medienarbeit der Kirche berichtet. Die vergangenen Monate haben mal wieder deutlich gezeigt, wie unprofessionell manche kirchliche Vertreter mit den Medien umgehen. Jüngstes Beispiel ist sicher die Debatte um Falschaussagen und Verschwendung des Limburger Bischofs. Die FAZ – eigentlich konservativ und der katholischen Kirche zugewandt – schlägt beim Limburger Bischof ganz andere Töne an. Ungeachtet der Vorwürfe an den Bischof aus Limburg; das Krisenmanagement war unprofessionell.

Ob mit dem neuen Handbuch nun die vielen medialen Fehler der vergangenen Jahre ausgebügelt werden, darf sicher angezweifelt werden. Und doch macht das Handbuch Mut, weil es zeigt, dass der „Medienplayer“ in einigen Bereichen (z. B. Print) ganz ordentlich aufgestellt ist. Es zeigt aber auch, dass die Debatte eines eigenen katholischen Fernsehsenders vom Tisch ist und sich die Bischöfe zusehends im Internet engagieren. Das nun die katholische Kirche das Feld „Social Media“ entdeckt, ist zwar längst überfällig, aber immerhin, wird das Thema nun offensiv angegangen.

In mehr als 40 Artikeln zeigen die Medienmacher der Kirche, dass sie wissen, wie es geht. Um Helmut Schmidt abgewandelt zu zitieren: „Sie können es“! Ob sie aber immer dürfen, das ist eine andere Frage. Das Medienhandbuch zeigt den Weg, zumal die Schwächen keineswegs umschifft werden. Die katholische Kirche ist medial zersplittert und so gelingt es (bisher) nicht, gemeinsame Kampagnen zu entwickeln. Die diözesanen Strukturen sind hier noch nicht durchlässig genug. Dennoch bewegt sich einiges. So hat der Bischof von Essen entschieden, das „Ruhrwort“ (Kirchenzeitung) zum Ende des Jahres 2013 einzustellen, weil die Leserschaft wegbricht. Im Gegenzug gibt es nun eine enge Zusammenarbeit mit der WAZ-Gruppe. Das neue „Magazin“ soll im Januar 2014 erscheinen. Ein mutiger und innovativer Schritt, können damit doch andere Leserschaften für kirchliche Themen angesprochen werden.

Seinen Titel als „Standardwerk“ hat das Katholische Medienhandbuch bereits erhalten.

27. Februar 2013
von Juergen Holtkamp
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Personalgewinnung mal anders und gut!

CARITAETER_Plakat

Plakatmotiv für die Caritas-Kampagne

Eine ganz besonders innovative Form der Personalgewinnung führen gerade die fünf Diözesancaritasverbände in NRW durch. Angesiedelt ist das Projekt beim Diözesancaritasverband in Essen. Wie gelingt es junge Menschen für die Caritas zu gewinnen? Als katholischer Verband fällt es den Personalverantwortlichen in der Caritas zunehmend schwerer, Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Was macht man also? Man geht dorthin, wo die jungen Menschen sind. Doch das Internet ist riesig und viele Angebote erreichen – bei allem guten Willen – die eigentliche Zielgruppe kaum. Mit der Caritäterkampagne soll sich das grundlegend ändern.

Als „Caritäter“ bezeichnen sich viele Mitarbeiter der Caritas, er ist also ein eingeführter interner Begriff. Doch der allein reicht nicht aus und so hat man den Claim „Täter mit Profil“ entwickelt. Das provoziert natürlich. Um im Medienrauschen nicht unterzugehen müssen solche Claims Aufmerksamkeit erzeugen können.

Männer und Frauen sind in der Caritas profiliert, sehr gut ausgebildet und helfen dort, wo sich viele zurückziehen. Sie sind aktiv und innovativ, helfen dort, wo andere wegschauen. Dies gilt es in Wort und Bild auszudrücken.

Schon der Slogan ist mutig, die mediale Umsetzung steht dem in nichts nach! Da stellen sich junge Männer und Frauen, die in der Caritas arbeiten für ein Fotoshooting der besonderen Art zur Verfügung. Dadurch wirkt die Website bei Professionalität doch authentisch.

Das Problem vieler kirchlich-katholischer Kampagnen besteht darin, dass diese nicht konsequent zu Ende gedacht und ausgeführt werden. Bei der Caritäterkampagne ist das anders: Hier stimmen Ästhetik, Inhalt und Botschaft überein. Damit dürften auch junge Menschen angesprochen werden können. Die Macher sind nach dem altern Marketingsatz: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!“ vorgegangen.

Mögen viele diesem Beispiel folgen.

Links:

Internet: www.caritaeter.de

Facebook: www.facebook.com/caritaeter

 

 

6. September 2012
von Juergen Holtkamp
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Manfred Spitzer hat wieder zugeschlagen

Er ist ein Mann der starken Worte und vielleicht der prominenteste Medienkritiker Deutschlands. Jedenfalls kann man ihm mangelnde Medienpräsenz nicht vorwerfen. Mit seinem aktuellen Buch (Digitale Demenz) hat er es geschafft, sich medial äußerst gut zu promoten. Spitzer bleibt sich seiner Linie treu: die kindlichen Gehirne verdummen jetzt nicht mehr – er setzt jetzt noch einen drauf – Computer und Co fördern die Demenz.

Bei Günter Jauch konnte man erleben, wie er seine Thesen einem Millionenpublikum geschickt und hart in der Sache publik machte. Dass Eltern und Pädagogen durchaus skeptisch auf die Medien schauen, hängt auch damit zusammen, dass die Medien selbst schon lange ihre Unschuld verloren haben. Viele werden daher dem Medienkritiker Recht geben, wenn er die Verflachunge der TV-Programme anprangert, sich gegen die zunehmende Brutalisierung im Heimkinobereich währt oder gegen die zunehmende Skandalisierung und den Sexismus in den Medien zu Felde zieht. Die Medien sind nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Aber rechtfertigt dies den heiligen Zorn, mit dem er seine Thesen öffentlich propagiert?

Nein, sagen vor allem die Medienpädagogen, die wissen wovon sie sprechen. Sie kämpfen seit Jahren für einen medienkompetenten Umgang mit Medien. Sie entwickeln Konzepte für Eltern und Kinder, mittlerweile sogar für die Großeltern. Sie kennen die den Medien innewohnenden Chancen, ohne die Risiken zu vernachlässigen. So weisen sie gebetsmühlenartig darauf hin, dass Medien Segen und Fluch sein können. Sie zu verbieten, führt in eine Sackgasse und wäre weder politisch noch wirtschaftlich durchsetztbar.

Die Gesellschaft für Medien und Kommunikationskultur hat eine Presseerklärung veröffentlicht, in der sich die GMK gegen die plakativen Thesen von Manfred Spitzer stellt. Auch das JFF hat sich in der Sache positioniert.

Dass diese Erklärung sachlich und fundiert ist, dürfte der weiteren Debatte nur gut tun.

13. Juni 2012
von Juergen Holtkamp
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Kids machen Kurzfilme

Kids lieben Filme

Kids lieben Filme

Kinder lieben Filme. Geht es um die Vermittlung von Medienkompetenz, bieten Filme ein reichhaltiges Experimentierfeld an. Unter dem Thema „Wut und Mut“ schrieben Schülerinnen und Schüler aus acht Berliner und drei Schwedter Grundschulen für das Projekt „Kinder machen Kurzfilm!“ im Frühjahr 2012 kurze Geschichten. Gefördert wurde das Projekt durch VISION KINO.
Die Jury konnte aus einem reichhaltigen Repertoire auswählen. Der Drehbuchworkshop in Berlin findet vom 15. bis 17. Juni mit 20 Kindern statt. Mehr Informationen unter www.kindermachenkurzfilm.de.

12. Juni 2012
von Juergen Holtkamp
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Kirche fördert Medienkompetenz

Clearingstelle Medienkompetenz

Clearingstelle Medienkompetenz

Für viele war es mehr als überfällig. Nun ist es soweit. An der Katholischen Hochschule in Mainz wurde vor kurzem die Clearingstelle Medienkompetenz eingerichtet. Für Insider sicher keine Überraschung, wohl aber schon länger überfällig.

Die Motive für die Einrichtung der Clearingstelle sind ehrenwert. Wenn sich die katholische Kirche in der Medien- und Internetgesellschaft Gehör verschaffen möchte, bleibt ihr nichts anderes übrig, als die inerkirchliche Medienkompetenz zu fördern. Denn das hier Handlungsbedarf besteht, ist unbestritten. 

Pressemitteilung der DBK 

 

10. Mai 2012
von Juergen Holtkamp
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„Gefällt mir“ ist noch keine Social-Media-Strategie

R_B_by_Gerd_Altmann_Shapes_AllSilhouettes.com_pixelio.de

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Wenn sich mehr als 20 Millionen Deutsche bei Facebook tummeln, wittern Presseabteilungen und PR-Strategen ihre Chance, kommunikativ anzudocken. Da werden also im Minutentakt Events angepriesen, Meldungen rausgehauen und das auf allen medialen Kanälen im Netz.

Wer heute keine Fanseite hat, der ist hoffnungslos verloren, dessen Geschäfte laufen mies. Und so wird der ahnungslose Besucher von Webseiten mit Social-Media-Tools konfrontiert. Überall soll er den „Like-Button“ anklicken, wird auf den Twitteraccount geleitet oder gleich zum YouTube-Kanal. Weiterlesen →

26. März 2012
von Juergen Holtkamp
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Alternativer Medienpreis

Musik; Orchester; Katholikentag;

Es gibt den Grimmepreis, die Echos, den Bambi, den Oscar… Alle diese Preise sind mit Ruhm und Ehre verbunden, sowie einer Menge Geld.

Da kommt der alternative Medienpreis doch recht hausbacken daher, kann sich nicht mit den großen Medienpreisen vergleichen. Aber das muss dieser Preis auch nicht.

Jenseits des Mainstreams Themen finden und medial aufbereiten, dass ist das eigentliche Ziel dieses Preises. Medienschaffende werden gesucht – und gefunden – die sich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigen und dadurch Themen jenseits aller Blockbusterphantasien finden. Ihr Blick sollte unkonventionell sein, möglichst unverstellt und unverkrampft. Innovativ sein, unabhängig und offen menschliches aufgreifen und ins Bild setzen. Das ist oftmals viel schwieriger als den Mainstream zu bedienen.

Dass Medien viel zu oft die Nähe der Mächtigen und den Glamour der Promis suchen, eine bekannte Binsenweisheit. Zurück zu den Ursprüngen, zu einem bürgernahen Journalismus, das Motto des alternativen Medienpreises.

Nun wird dieser Preis bereits sei 13 Jahren vergeben: Alternativ sein heißt nicht, unprofessionell zu sein. Erwartet werden Beiträge, die auf vielschichtige Weise Themen medial, ob klassisch oder modern umsetzen.

Wünschen wir diesem Preis eine lange Lebensdauer!