Ist die heutige Jugend smartphonesüchtig und unpolitisch?

Ist die heutige Jugend smartphonesüchtig und unpolitisch?

Es scheint, dass die Frage einen latenter Vorwurf meiner Generation (Babyboomer) an unsere Kinder beinhaltet. Die aktuelle Vodafonestudie zeigt, ganz so einfach sollten wir es uns nicht machen.

Wir denken vielleicht, alle jungen Menschen machen Selfies und nennen diese Generation denn auch süffisant: Generation Selfie. Doch Vorsicht mit solchen Vorurteilen. Möglicherweise handelt es sich hier eher um die Selbstaussage der Babyboomergeneration, die kaum mehr mit den technischen Entwicklungen mithalten kann und vieles digitale nicht versteht. Da wäre eine solche Zustandsbeschreibung für die jüngere Generation doch nützlich, um sie in ihre „Schranken“ zu weisen.

Da passt es nichts in Bild, was die Vodafonestudie an Erkenntnissen liefert: der Großteil der jüngeren ist durchaus politisch informiert. Nur wählen Sie themenbezogen verschiedene Medienkanäle aus. Und das unterscheidet sie dann nun doch von unserer Generation, die sich in dem meisten Fällen für Bildzeitung, Süddeutsche, Regionalzeitung, FAZ oder TAZ entschieden hat.

Bestätigt werden in der Studie Sorgen um die jene Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau, die von den politischen Entwicklungen immer mehr abgehängt werden. Das ist nun nicht neu und es ist eigentlich ein Skandal, dass dies in praktisch jeder Studie der vergangenen Jahre immer wieder neu bestätigt wird. Ist es da verwunderlich, dass gerade in dieser Zielgruppe die Politikverdrossenheit besonders hoch und das Vertrauen in die Politik besonders niedrig ist. Was fehlt sind genügend Geld und Konzepte, um diese Jugendlichen den Anschluss zu ermöglichen!

Zurück zur Studie, in der 2140 Internetnutzer zwischen 14 und 24 Jahre 2019 befragt wurden. Gefragt wurde nach Themen wie Fridays for Future, Brexit oder die Reform des Urheberrechts. Auch wenn die Themen einem ständigen Wandel unterliegen, so lassen sich doch Prognosen ableiten. Die meisten Jugendlichen informieren sich über das politische Geschehen. Unterschiede – auch das ist wenig überraschend – gibt es zwischen den Geschlechtern, dem Alter und dem Bildungsstand.

Auch zeigt sich, dass das Gespräch mit Freunden und der Familie für die politische Teilhabe besonders wichtig sind. Das ist insofern etwas überraschend, weil das Smartphone in der Welt der Jugendlichen eine sehr große Bedeutung hat. Man hätte also denken können, dass die Onlinenachrichten vor Familie und Freunde rangieren. Dem ist niucht so. Verlierer sind eindeutig gedruckte Zeitungen.

Das Problem Fake News zu erkennen

Fake News zu erkennen, fällt den meisten sehr schwer. Zwei Drittel der Befragten gaben an, mindestens einmal in der Woche an Fake News zu geraten. Interessant, dass Facebook am meisten als Ort für Fake News genannt wurde. Das Problem falsche Nachrichten von wahren zu unterscheiden, wird hier sehr deutlich und kann auch unsere Ansporn sein für seriösen Journalismus zu werben.

Dass diese Generation durchaus politisch ist, zeigt sich auch an der Unzufriedenheit über die Parteien. Besonders ärgerlich ist für sie, dass drängende Probleme ignoriert werden. Angeführt werden Klimawandel, das EU-Urheberrecht oder auch die Fridays for Future Proteste.

Welche Erkenntnis können wir daraus gewinnen?

  1. Die Jugend ist politisch und tritt für ihre Rechte ein!
  2. Die Jugend ist viel reflektierter als wir manchmal zu glauben scheinen. Das sollte uns Mut machen
  3. Die Familie ist kein Auslaufmodell, sondern stärker denn je. Sind das nicht gut Nachrichten!
  4. Im Medienverhalten sind junge Leute durchaus souverän und viel aufgeklärter, als wir oft denken.
  5. Neben Licht gibt es auch Schatten. Es gibt zu viele junge Leute (jeder Siebte), die sich nicht am politischen Leben beteiligen, die den Politiker*innen nicht trauen.
  6. Fake News sind ein Riesenproblem: Wir müssen die jungen Leute noch deutlich mehr unterstützten, damit sie zwischen wahren und falschen Nachrichten unterscheiden können.
  7. Wir haben einen Auftrag: Wir müssen die Medienkompetenz durch vielfältige Bildungsmaßnahmen von Kindern und jungen Menschen weiter fördern.

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