digital hinterher

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Nie wurde in den vergangenen Tagen Millionen von Deutschen so sehr bewusst, welche Möglichkeiten die Digitalisierung eigentlich bietet. Nie zuvor wurde aber auch klar, dass es an vielen Stellen mehr als hapert. Was nützt Home Office, wenn das Netz langsam ist? Doch es kommt noch schlimmer.

Schmerzhaft wird den Schulen und vielen Bildungsanbietern deutlich, wie schlecht sie auf die digitalen Herausforderungen vorbereitet sind. Deutschland war bis vor wenigen Wochen ein Bildungsland mit tausenden von Präsenzveranstaltungen. Wie haben sich die Verantwortlichen gesträubt Onlinekonzepte zu entwickeln und sei es für „schlechte Zeiten“. Und nun: Mindestens bis zum Ende der Osterferien sind Schulen und Bildungseinrichtungen geschlossen, macht ja auch keinen Sinn, wenn Deutschland gerade zu macht.

Neben den Teilnehmern, die wegbleiben, brechen die Einnahmen drastisch ein. Das könnte durch didaktisch gut vorbereitete Onlineseminare zumindest in Teilen kompensiert werden, aber…

Viele Bildungseinrichtungen verfügen weder über die technische Plattform, noch über die methodisch-didaktischen Konzepte oder das Personal, welches diese Form von Lernen angemessen umsetzen kann. Ohne zu übertreiben, liegt hier auch ein Systemversagen vor. Zu lange haben sich die Verantwortlichen zurückgelehnt und E-Learning belächelt. Das rächt sich nun und es ist ein schwacher Trost, dass viele Schulen auch nicht viel besser aufgestellt sind.

Was ist zu tun? Ein kleine Anleitung ohne Vollständigkeit und Gewähr für alle, die Bildung nun online verfügbar machen wollen…

  1. Jetzt nicht in Hektik verfallen und in den nächsten 10 Tagen eine Lernplattform aus dem Boden stampfen oder noch schlimmer im gleichen Zeitraum zig PDF- und Worddokumente oder PowerPointpräsentationen auf die eigene Lernplattform einstellen. Das überfordert nicht nur die Teilnehmer*Innen, sondern ist blinder Aktionismus und hat mit nachhaltigem Lernen nichts zu tun.
  2. Besser wäre es mittelfristig zu denken. Zunächst zu klären, welche Präsenzveranstaltungen sich für ein Onlineseminar überhaupt eignen.
  3. An der eigenen Haltung, der Mitarbeitenden und der Dozent*innen arbeiten. Was brauchen wir, um E-Learning erfolgreich in unseer Einrichtung einsetzen zu können.
  4. Haben wir ein Konzept? Wenn nicht, eines entwickeln. Kurzfristig lässt sich klären, wie Präsenzveranstaltungen künftig online begleitet werden können.
  5. E-Learning gibt es nicht zum Nulltarif und ist wenn es richtig gemacht wird, zeitlich aufwendig und damit teuer! Mein Tipp: Lassen Sie sich beraten, aber weniger von Firmen die Lernmanagementsysteme verkaufen. Es gibt viele Hochschulen, die hier helfen können. Gehören Sie zur Wohlfahrt, empfehle ich (jetzt kommt Eigenwerbung) auch das Kompetenzzentrum Fort- und Weiterbildung /digital
  6. Bilden Sie Netzwerke: Viel ist schon online verfügbar und auch erfolgreich. Auch Bildungsverantwortliche sind Lernende.
  7. Onlinelernen kann ich grundsätzlich zu jeder Zeit und an jedem Ort. Warum sollten die Volkshochschule und die Familienbildungsstätte nicht gemeinsam Onlinelernen ermöglichen?

Vielleicht ist letzteres die eigentliche Herausforderung in diesen schwierigen Zeiten…

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